Die Krypta mit den Ausgestoßenen der Crofts

 

Es hat sich ja rumgesprochen, wie das ist mit den alten Adelsfamilien. Da hat sich über die Jahrhunderte ein Haufen buckelige Verwandtschaft angesammelt und die Familienchronik schwillt dermaßen an, dass man dafür einen eigenen Historiker anstellen könnte. 

 

Und erst der Familienstreit... Der ist nicht zu vergleichen mit den normalen Familien, denn hier geht’s um Geld und um Grundstücke, um Kunstgegenstände ungeklärter Herkunft, längst vergessene Titel und die übliche Repräsentation in den Klatschspalten.

 

Und natürlich gibt’s da noch die ausgestoßenen Familienmitglieder, die irgendwann mal gegen die Spielregeln verstoßen haben. Bei uns jedenfalls liegen die seit etwa 1560 in einer eigenen Gruft, fein säuberlich getrennt von den „ehrenwerten“ Mitgliedern der Familie.

 

Der Familienrat hat mir schon mehrfach mit dieser Gruft gedroht. Dabei wissen sie genau so gut wie ich: aller fünf Jahre müssen die da unten mal besucht werden, sonst stellen sie Unfug an. Dieses Mal hab ich’s allerdings vergessen...  ihr wisst ja: Ägypten.

 

 

Lara Croft

 

 

 

 


 

Das ist der älteste erhaltene Croft. Er datiert ins späte 10. Jh. und Lara hat sich die Wahrscheinlichkeit einer Verwandtschaft mit ihm per Genanalyse bestätigen lassen.

Name und Herkunft sind Gegenstand von Spekulationen, die Haarfarbe jedoch war rot.

 

Er wurde im 16. Jh. umgebettet. Lara vermutet aufgrund der verbliebenen Grabbeigaben, dass er (noch) kein Christ war.

 

 

  

Dieser Herr hieß Lancelot. Er war einmal im 12. Jh. der Erzbischof von Canterbury und huldigte angeblich der Hurerei, Zauberei, Wahrsagerei mit Runen usw. Deswegen hat man ihn erschlagen und seinen Namen aus allen Archiven getilgt. Lara brach aber in die geheimen päpstlichen Archive in Rom ein und setzte seinen Namen wieder ein, woraufhin dort die Aktien in den Keller rutschten und in Italien eine Finanzkrise ausbrach.

 

Mit dem legendären Ritter der Tafelrunde hat er aber nichts zu tun.

 

 

Diese Person hier ging irgendwann einmal verloren. Seitdem manifestiert sie sich als Geist. Vermutlich handelt es sich um Lancelots Großmutter, die eine Hexe gewesen sein soll. 

 

Sie kann ihre Ur-Urenkelin nicht leiden, aber so genau weiß das niemand.

 


 

Das war ein Liebespaar aus dem 15. Jh.

 

Lara nennt sie Romeo und Julia, denn ihre Titel konnte sie sich schon als Kind nicht merken. Diese Beziehung wurde von der Familie nicht geduldet, weswegen sie auch hier unten begraben sind. Beide wurden nämlich von einem eifersüchtigen Vetter erschlagen, wobei einige behaupten, es wäre ihm bloß ums Geld gegangen.

 
 


Das ist der eifersüchtige Vetter, der das Liebespaar erschlug. Seine Tat war mit verantwortlich für den Ausbruch der Rosenkriege (1455-85) - ein Umstand, der heute gern vergessen wird. Wegen der Schandtat durfte der Vetter auch nicht mit ins offizielle Familiengrab. 

 

Das Bild ist bloß romantischer Firlefanz - die Briten lieben Krimis.

 

 
   

 

Hier liegt Eduard der Verrückte. Er ist nicht so alt wie der Rest, sondern verstarb kurz nach 1770 auf einer Reise nach Ägypten. Da er für mehrere geschmackliche Verirrungen im Bereich des englischen Gartenbau verantwortlich war, hat man ihn gleich hier unten begraben. Ruhe in Frieden.

 

 

 

Diese Grabstätte des ausgehenden 12. Jh. war für den leichtlebigen Templer Jacques de Croft gemauert worden. Sein älterer Bruder John wollte ihn dort begraben, sollte er es jemals wagen, nach England zurückzukehren.

Jacques wurde aber bei den Templern bestattet.

 

Klein-Lara reservierte das Grab 1984 für sich. 

 

 

Das ist Archibald der Säufer. Er unternahm zwischen 1602 und 1610 ausgedehnte und kostspielige Kavalierstouren durch das frühbarocke Italien und verstarb nach übermäßigen Alkoholkonsum im Delirium. Prompt bekam er ein Grab hier unten.

 

 

Ein ähnlich peinlicher Fall wie Archibald der Säufer. Aufgrund einer angeborenen Missbildung wurde er (wie bei Adelsfamilien in solchen Fällen üblich) jahrelang versteckt und schließlich lebendig eingemauert (um 1660). Kurz nach 1800 verkaufte die Familie das betreffende Schloss aber und ließ ihn hierher umbetten. 

 
 

 

Hier liegen zwei „ehrenwerte“ Vertreter der Familie Croft. Links der erste Träger des Grafentitels von Abbingdon (Surrey) aus der Mitte des 16. Jh., und rechts sein Onkel, der Abt, welcher diese Kirche mit dem Geld seines Neffen neu erbaute und auch die Krypta samt Andachtsstätte rekonstruieren ließ, um seine „weniger gräflichen“ Verwandten dort einzusargen.

 

Dummerweise setzten beide noch auf die katholische Seite gegen Elisabeth I., weswegen sie nun selbst dort liegen. Nun ja, fast, denn der Sarg des Abts ist leer.